Saw Too Much
Die »Schlechte-Sequel-Regel« nimmt Gesetzescharackter an: Man nehme eine innovative Idee und mache einen Film draus. Wenn das Publikum darauf anspringt, behalte man Grundzüge der Ursprünglichen Handlung, Kulisse, bei Bedarf Schauspieler, jedoch vor allem den Titel bei, und Filmt daraus irgendwas neues ab. Das zahlungswillige Volk erinnert sich vage an den ersten Teil, und lässt ne stange Geld in den »zweiten Teil« fließen, dessen Qualität im normalfall allerdings wesentlich schlechter ist.
So auch bei Saw II: Während ich die ekelhaften Bilder aus Saw I noch als experimentelles Stilmittel entschuldigen wollte, waren sie bei Saw II die Basis der Handlung.
An sich muss das nichts furchtbar schlimmes sein, solange die Darstellungen ein wenig Selbstironie durchschimmern lassen und die Komödie als Komödie erkennbar ist. Saw II will aber ein unbedingt ernster Gruselfilm sein, bleibt aber ein primitiver Gewaltporno. Die Darsteller sind Klischeefiguren wie aus einem Kindermärchen. Der Latino-Muskelprotz schlägt alles kurz und klein, der Schwarze mimt sympathische Kleinkriminellen, der abgeklärte Sohn ist der reifste von allen.
Selbst Saw I war für meinen Geschmack nicht minimaltisch genug, um ein interessantes Psychodrama darzustellen. Manche Kritiker meinten, dem Film wäre es gelungen, eine interessante Studie über menschliches Verhalten in Notsituationen abzubilden, doch bereits als die Gurselpuppe mit der Darth Vader-Stimme die Szene betrat, glitt alles ins lächerliche ab.
Saw II versucht das Problem dadurch lösen, dass es möglichst viel sinnlose Brutalität hineinbringt, ersäuft dabei auch noch in seiner Melodramatik und wurde für mich einfach unerträglich.
Melodramatik passt nämlich nur, wenn die Geschichte ansatzweise glaubwürdig ist.
Gefangene eines Psychokillers, die in Haus voller Fallen gefangen sind und dann trotzdem Kamikazeartig alles tun, was man von ihnen erwartet, sind alles andere als glaubwürdig. Es strapaziert den Verstand, wenn man sieht, wie jemand in einen schmalen Ofen kriecht, auf dem nur ein Aufkleber mit "Du wirst in mir Sterben" fehlt. Es quält den Verstand, wenn die Umstehenden nur unartikuliert schreien und sich die Finger verbrennen, wenn der Ofen samt insassen brennt.
Was man außerdem ansehen darf: Ausgebildete Spezialeinheiten, die rambomäßig in von einem alten krebskranken sorgfältigst präparierte Häuser rennen, obwohl sie wissen, dass er Fallen bauen kann, die wahrscheinlich sogar menschlichen Atem erkennen und das Opfer in zwanzigtausend Teile zersägen können, eine rührende Vater-Sohn-Geschichte und einen Polizisten, der einen alten krebskranken so lange verprügelt, bis er aus allen Körperöffnungen blutet.
Wenn manche Teile deines Gehirn gegen Ende des Films noch funktionieren sollten, so sorgt ein Epileptikerschnitt in bester Trailerart dafür, dass auch das vegetative Nervensystem sich geschlagen gibt. Im Kino wäre ich spätestens jetzt laut fluchend zur Kasse gegangen und hätte mein Geld zurück verlangt.
Wertung: Zum Kotzen.
So auch bei Saw II: Während ich die ekelhaften Bilder aus Saw I noch als experimentelles Stilmittel entschuldigen wollte, waren sie bei Saw II die Basis der Handlung.
An sich muss das nichts furchtbar schlimmes sein, solange die Darstellungen ein wenig Selbstironie durchschimmern lassen und die Komödie als Komödie erkennbar ist. Saw II will aber ein unbedingt ernster Gruselfilm sein, bleibt aber ein primitiver Gewaltporno. Die Darsteller sind Klischeefiguren wie aus einem Kindermärchen. Der Latino-Muskelprotz schlägt alles kurz und klein, der Schwarze mimt sympathische Kleinkriminellen, der abgeklärte Sohn ist der reifste von allen.
Selbst Saw I war für meinen Geschmack nicht minimaltisch genug, um ein interessantes Psychodrama darzustellen. Manche Kritiker meinten, dem Film wäre es gelungen, eine interessante Studie über menschliches Verhalten in Notsituationen abzubilden, doch bereits als die Gurselpuppe mit der Darth Vader-Stimme die Szene betrat, glitt alles ins lächerliche ab.
Saw II versucht das Problem dadurch lösen, dass es möglichst viel sinnlose Brutalität hineinbringt, ersäuft dabei auch noch in seiner Melodramatik und wurde für mich einfach unerträglich.
Melodramatik passt nämlich nur, wenn die Geschichte ansatzweise glaubwürdig ist.
Gefangene eines Psychokillers, die in Haus voller Fallen gefangen sind und dann trotzdem Kamikazeartig alles tun, was man von ihnen erwartet, sind alles andere als glaubwürdig. Es strapaziert den Verstand, wenn man sieht, wie jemand in einen schmalen Ofen kriecht, auf dem nur ein Aufkleber mit "Du wirst in mir Sterben" fehlt. Es quält den Verstand, wenn die Umstehenden nur unartikuliert schreien und sich die Finger verbrennen, wenn der Ofen samt insassen brennt.
Was man außerdem ansehen darf: Ausgebildete Spezialeinheiten, die rambomäßig in von einem alten krebskranken sorgfältigst präparierte Häuser rennen, obwohl sie wissen, dass er Fallen bauen kann, die wahrscheinlich sogar menschlichen Atem erkennen und das Opfer in zwanzigtausend Teile zersägen können, eine rührende Vater-Sohn-Geschichte und einen Polizisten, der einen alten krebskranken so lange verprügelt, bis er aus allen Körperöffnungen blutet.
Wenn manche Teile deines Gehirn gegen Ende des Films noch funktionieren sollten, so sorgt ein Epileptikerschnitt in bester Trailerart dafür, dass auch das vegetative Nervensystem sich geschlagen gibt. Im Kino wäre ich spätestens jetzt laut fluchend zur Kasse gegangen und hätte mein Geld zurück verlangt.
Wertung: Zum Kotzen.
der infiltrant - 12. Feb, 19:59
